Doc K!

[Thema: Bartwuchs / Switchboard 156, Februar 2003]

Hallo, ich habe folgendes Problem: Ich bin jetzt 23 Jahre alt und habe immer noch keinen Bartwuchs! Können Sie mir vielleicht weiterhelfen? Gibt es so etwas wie Hormonspritzen, Tabletten, ...? Danke im Voraus.

Also mein Sprechstundenhelfer beneidet Dich nachhaltig um den fehlenden Bartwuchs und würde gern mit Dir tauschen. Ihm ist das unablässig sprießende Haar eher lästig und deshalb fühlt er sich wohl auch als Erwachsener den Indianern noch sehr zugetan bzw. fragt sich "Wo sind all die Indianer hin". Bei einigen "Rothäuten" gab es ja auch keinen Gesichtshaarwuchs, nur sind eben die Wenigsten von uns indianischer Abstammung...
Die Frage ist aber wohl eher, um mal ernsthaft zur Antwort zu kommen, ob bei Dir womöglich eine hormonell bedingte Entwicklungsverzögerung festzustellen ist bzw. ob dies schon einmal untersucht wurde. Besondere Aufmerksamkeit sollte in diesem Zusammenhang allen sekundären Geschlechtsmerkmalen gelten: Angefangen bei Deiner Stimme, weiter über Deine übrige Behaarung (vor allem natürlich im Genitalbereich), und selbstverständlich wäre auch wichtig zu wissen, wie es mit Deiner Erektions- und Zeugungsfähigkeit aussieht. Ich finde, Du solltest Dich einem Arzt vorstellen, denn so einfach lässt sich Dein Problem aus der Ferne nicht analysieren. Schon gar nicht würde ich voreilig dazu raten, Hormonspritzen oder -Tabletten zum Einsatz zu bringen. Hierzu sollte unbedingt erstmal eine Blutabnahme erfolgen, um die Hormonwerte zu überprüfen.


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[Thema: Beschneidung / Switchboard 152, Juni 2002]

Ich versuche schon seit längerem, einen versierten Urologen ausfindig zu machen, da ich mich beschneiden lassen möchte (Vorhautverengung bei steifem Penis). Ich kann mir nicht vorstellen, daß dies jeder Urologe so drauf hat, da es ja auch vom ästhetischen Gesichtspunkt ansprechend gut aussehen soll. Ich habe schon in einschlägigen Foren diesbezüglich nachgefragt, aber keine zufriedenstellende Antwort erhalten.

Die Beantwortung ästhetischer Fragen ist sehr schwierig und selbst in vertrauter Runde ist das immer so ein Sache mit dem "Design". Aber Du hast vollkommen Recht: Vor einer Entscheidung, unter wessen Messerchen Du Dich begibst, solltest Du auf alle Fälle mit jemand Kontakt aufnehmen, der Erfahrung mit der Operation hat. Daher zu den Fakten: Im Grunde kann die Beschneidung (Circumcision) jeder operativ tätige Urologe durchführen. Sie ist eine der ersten Operationen während der Facharztausbildung. Auch jede urologische Abteilung eines Krankenhauses ist dafür gerüstet.
Hier ein Tip: Wer ganz sicher gehen will, sollte sich bei türkischen oder jüdischen Mitmenschen erkundigen. Die haben nämlich aus religiösen Gründen ständig Bedarf an Ärzten, die Beschneidungen durchführen. Und wer oft die gleiche Operation durchführt hat auch die meiste Erfahrung damit. Neben den Kassenärztlichen Vereinigungen und Landesärztekammern kann auch folgende Internetadresse bei der Suche hilfreich sein: http://www.doktorlar24.de.

[Thema: Beschneidung / Switchboard 149, Dezember 2001]

Seit geraumer Zeit habe ich mich mit dem Gedanken auseinandergesetzt, mich beschneiden zu lassen. Der Grund meiner Entscheidung ist vor allem darin zu finden, daß ich zur Hälfte jedes Jahres in Ghana/Afrika lebe, wo generell alle Männer schon allein aus hygienischen Gründen wegen den hohen Temperaturen beschnitten werden. Ich fühle mich unwohl, wenn ich immer wieder z.B. beim Urinieren von anderen Männern diesbezüglich angesprochen werde. Nun ich bin auch mit einer afrikanischen Frau verheiratet. In Ghana wird ein nicht beschnittener Mann gesellschaftlich nicht positiv geachtet ... Weitere Gründe sind, daß ich sehr viel Sport betreibe und durchs Schwitzen ist dann auch keine optimale Hygiene gewährleistet... - Lange Rede kurzer Sinn: Ich möchte mich so bald wie möglich von einem Arzt, Mediziner (o.ä. mit professioneller Erfahrung auf diesem speziellen Gebiet) beschneiden lassen. Ich bitte darum, mir eventuelle Informationen, Adressen oder Tips mitzuteilen, wo ich das machen könnte. Ich komme aus Berlin, wäre aber auch gern bereit, einige Kilometer zu fahren.

Die Beschneidung ist mittlerweile überhaupt kein Problem. Manche Kollegen machen diese sogar ambulant, wenn eine optimale Nachsorge gesichert ist.
Insbesondere muß dafür gesorgt werden, daß postoperativ (also während der Wundheilung) Erektionen unterdrückt werden; dies wird, wenn nötig, auch mit Medikamenten herbeigeführt. Erektionen können nämlich zum Einreißen der Naht führen und das Operationsergebnis wäre dann deutlich (und schmerzhaft!) beeinträchtigt. - Theoretisch kann jeder operativ tätige Urologe die Operation durchführen.
Es gibt verschiedene Arten der Beschneidung, was ihren Umfang betrifft. Bevor ich darauf eingehe, noch ein paar Worte zu der Anfrage. Ich lese da neben den praktischen Gründen auch eine Problematik heraus, die ich immer wieder antreffe: Männer sind sich ihrer Zugehörigkeit zur "Gruppe der Männer" manchmal nicht sicher und streben "nur" deshalb eine Anpassung an. Im Falle von Sterilisation z.B. ändert sich die Einstellung eines Mannes im Laufe des Lebens (etwa durch Wechsel der Partnerin) nicht selten erheblich und dann haben diese Männer solche Probleme sozusagen doppelt - bei dieser Beschreibung hört sich das auch ein bißchen so an, auch wenn natürlich die kulturellen Unterschiede hier keinesfalls vom Tisch gewischt werden dürfen. Um es also klar zu sagen: Gegen die Idee, sich geltenden (männlichen) Normen in einem gewissen Rahmen anzupassen, ist erst mal nichts zu sagen. Vollkommen klar, daß mann nicht unbedingt (unangenehm) auffallen möchte. Ich rate jedoch dazu, die eigene Identität nicht zu sehr zu verlassen oder zu unbedacht "über Bord zu werfen". Sie müssen sich bewußt sein/bleiben, daß Sie auch nach einer Beschneidung als anderer Mann erkennbar bleiben (dann vielleicht nur an anderen Merkmalen). Wie gesagt, die Gründe sind (vor allem in ihrer Mischung) aber durchaus verstehbar.
Doch zurück zum Operationsergebnis. In Deutschland wird die Beschneidungsmethode bevorzugt, bei der das innere Blatt der Vorhaut komplett entfernt und das äußere Blatt direkt an die Kante der Eichel (Sulcus coronarius) angenäht wird. Es gibt auch die Möglichkeit, nur eine Teilbeschneidung durchzuführen. Dabei wird die Vorhaut nur soweit zurück geschnitten, daß sie gerade noch über die Eichel drüber geht. Die in den islamischen Ländern und bei den Juden übliche Methode ist die Komplettbeschneidung, wobei die Naht auf dem Penisschaft zu liegen kommt, d.h.: Äußeres und inneres Blatt der Vorhaut werden gleichförmig gekürzt. - Wie gesagt, kann in der Regel jeder operativ tätige Urologe eine Beschneidung durchführen. Es gibt aber an der Humboldt Universität in Berlin eine Abteilung für Sexualwissenschaft (Leiter ist Prof. Beier). Diese ist zwar mehr sozialwissenschaftlich ausgerichtet, aber dort kann mann sicher weitere Informationen bekommen.