Doc K!

[Thema: Vaterschaft / Switchboard 148, Oktober 2001]

Wie funktioniert eigentlich ein Vaterschaftstest?

Früher sind aus dem Blut von Vater, Mutter und Kind die weißen Blutkörperchen isoliert und die darauf befindlichen Antigene bestimmt worden (HLA-Typisierung). Dieses Antigenmuster ist, neben den A-B-O Blutgruppenmerkmalen, das von den Eltern nach Vererbungsregeln weitergegebene eindeutige Muster für jedes Individuum. Wenn dieses Muster zu über 99% übereinstimmt, wird der Vater als mit "an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" identifiziert. - Dieses Verfahren wird im übrigen auch bei der Organtransplantation genutzt, hier muss allerdings keine 99prozentige Übereinstimmung bestehen.
Seit neuestem wird aus verschiedenen Gewebsproben (Speichel, Haaren, Hautzellen, andere Körperflüssigkeiten - auch eingetrocknet) das genetische Muster gewonnen. Dies ist die, gern in Krimis erwähnte, DNA-Analyse: Stimmen die sogenannten "Banden" im Wandermuster auf dem Elektro-Gelstreifen an vorher festgelegten Stellen überein, kann auch hier mit eindeutiger Sicherheit auf den Vater geschlossen werden.

[Thema: Verhütung/"Spritze für den Mann" / Switchboard 154, Oktober 2002]

Welches Informationsmaterial über die länger wirkende Verhütungsmethode "Spritze für den Mann" gibt es?

Wie heißt es in der Literatur so schön: EIN WEITES FELD! Selbstredend aber trage ich gern dazu bei, es zu beackern: Verhütung ist für Männer immer noch ein Reizwort bzw. ein Thema, bei dem für viele eben der Reiz am Sex "auf dem Spiel" steht. Die meisten Herren verhüten nur, wenn es "unbedingt sein muss". - Zu Zeiten, als HIV-Infektionen in der Öffentlichkeit viel diskutiert wurden, hatte sich das ein bißchen gewandelt und es wurde häufiger mit Kondomen verhütet (wobei es eben mehr um die Vermeidung von Krankheit ging). Selbst in diesem Zusammenhang sind aber mittlerweile leider wieder rückläufige Tendenzen festzustellen: Es wird wieder vermehrt ungeschützt verkehrt und ein Indikator hierbei ist sicher, dass nicht wenige Männer sich (wenn sie ein Gummitütchen überziehen sollen) "eingeschränkt" fühlen.
Ein anderer Aspekt ist, dass Frauen von den Folgen einer Schwangerschaft direkt betroffen sind. Klar, Männer tragen Entscheidendes dazu bei, aber sie sind eben im biologischen Sinn nicht die Schwangeren. Kein Wunder also, dass Frauen sehr schnell bereit waren, mit Hilfe hormoneller Verhütungsmittel einer Schwangerschaft vorzubeugen bzw. selber bestimmen woll(t)en, wann sie schwanger werden. Und da die herrschenden Medizinmänner hier einiges zu bieten hatten, konnte sich die Penis-Fraktion recht schnell gemütlich zurücklehnen und sagen: "Wunderbar, wir haben das Problem gelöst." Frauen nahmen also "die Pille" und es wurde höchstens noch darüber gestritten, ob die Männer sich finanziell am "Medikament" ihrer Partnerin beteiligen.
Als Frauen bewußter wurde, welche Auswirkungen Hormonpräparate (und um solche handelt es sich ja im Zusammenhang mit einzunehmenden Verhütungsmitteln immer) auf den eigenen Körper haben, brach die Diskussion erneut los und nicht wenige verweigerten sich der immer selbstverständlicher gewordenen Dauerverhütung. Ja, noch mehr: Sie forderten, dass auch Männer hier erheblichen Nachholbedarf hätten und es sei doch vielleicht mal an der Zeit zu erforschen, ob es nicht eine "Pille für den Mann" geben könne.
Interessanterweise übernahmen Männer die medizinkritische Haltung von Frauen und argumentierten heftig gegen Hormonpräparate für den eigenen Körper und, so verständlich das in gewisser Weise ja ist ... Seitdem steckt die Debatte in der berühmten Sackgasse und soviel erst mal zur Vorgeschichte und ihrer typisch patriarchalen Schieflage.
Kommen wir also wieder direkt zur Frage und da lässt sich sagen: Ja, es gibt sie, die Verhütungsspritze! Ein paar unermüdliche Medizinmänner haben weitergeforscht und sich dabei vor allem auf sogenannte Depot-Medikamente konzentriert. Die Spritzen, die drei oder sechs Monate wirken, ermöglichen eine zeitweise, gesteuerte Unfruchtbarkeit. Problem dabei ist aber immer noch, dass diese Präparate eine Nebenwirkung haben können: Weil sie aus modifizierten Sexualhormonen bestehen, können sie die Libido eines Mannes verändern - so, wie ja auch die Hormongaben bei Frauen alles mögliche durcheinanderbringen. Die "Nebenwirkung" ist allerdings sicher nicht so massiv wie im weiblichen Körper, und ob der Lustverlust bei Männern nicht sogar eher psychisch hervorgerufen wird, ist wahrscheinlich nie hundertprozentig zu klären. Damit will ich sagen: Ob ein Mann durch das WISSEN um eine hormonelle Manipulation in seinem Körper nun direkt sexuell beeinflusst wird oder ob nicht eher psychische Aspekte DAZUKOMMEN, bleibt sozusagen ein "Restrisiko". - Wenn Männer sich bereit finden, einen Teil der "Hormonlast" zu tragen, dürfte also mit einem effektiven Verhütungsmittel in dieser Richtung zu rechnen sein.
Vorreiter im Zusammenhang mit der 3- bzw. 6-Monatsspritze für den Mann ist jedenfalls Prof. Dr. E. Nieschlag, der an der Universität Münster arbeitet, und von dort ist derzeit folgendes zu berichten: Die Entwicklung ist soweit abgeschlossen, dass in ca. zwei Jahren mit einem marktfähigen Präparat zu rechnen ist - aber wer weiß, was MANN plötzlich doch noch über Nebenwirkungen erfährt und gegebenenfalls müssen wir dann eben sehr aufmerksam unseren Arzt oder Apotheker befragen bzw. die Packungsbeilage gründlich studieren. Wer Genaueres erfahren möchte, wende sich bitte an: Universität Münster - Institut für Reproduktionsmedizin, Steinfurter Str. 107, 48149 Münster, 0251/83-0.