Doc K!

[Thema: Samen / Switchboard 151, April 2002]

Hallo Doc K!, als Präventionsmitarbeiter einer Kinderberatungsstelle gegen sexuellen Missbrauch arbeite ich schwerpunktmäßig mit 9-11jährigen Jungen. Immer mal wieder berichten Jungs davon, schon einmal "Sex gehabt zu haben". Bei Nachfrage stellt sich heraus, daß diese Erlebnisse i.d.R. einige Jahre her waren und daß es sich eher um von Neugierde geleitete Doktorspiele mit intensivem Aneinanderreiben am Körper des anderen gehandelt hat. Übereinstimmend berichten einige Jungs davon, anschließend weiß gepinkelt zu haben. Handelte es sich dabei um Samenflüssigkeit (die Jungen waren zwischen 6 und 9 Jahren)? Ist die Prostata bzw. sind die Samenbläschen bereits lang vor der Pubertät funktionsfähig?

Es kann durchaus sein, dass Jungs im Alter von 10 oder 11 Jahren bei sexuellen Aktivitäten solche "Ergebnisse" erzielen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang jedoch, nochmal auf den Unterschied zwischen Samenflüssigkeit und Spermien hinzuweisen: Samenflüssigkeit wird normalerweise ab Beginn der Pubertät produziert, denn die Samenblasen und die Prostata nehmen zu diesem Zeitpunkt ihre Tätigkeit auf. Spermien werden erst produziert, wenn das andere alles "läuft" und insofern ist Flüssigkeit eben nicht identisch mit Zeugungsfähigkeit. Aber in jedem Fall ist zu empfehlen, den Jungs zu verdeutlichen, das es "jetzt ernst" werden kann!

[Thema: Samen / Switchboard 151, April 2002]

In meiner sexualpädagogischen Tätigkeit tauchte vor kurzem während einer Demonstration im Umgang mit Kondomen von einem Jungen folgende Frage auf: "Wie schnell ist denn das Zeug eigentlich, wenn es da raus kommt? Mit wieviel Druck?" Er meinte das Ejakulat beim Samenerguß. Ich mußte auf diese Frage passen. Können Sie mir eine Antwort geben bzw. eine Stelle angeben, bei der ich weiterfragen kann? Im übrigen möchte ich Ihnen mitteilen, daß ich die Seite "Männerheilkunde" in Switchboard sehr informativ finde und ich freue mich sehr, daß sie eingerichtet wurde.

Ja, Jungs in der Pubertät konzentrieren sich manchmal auf Fragen, die für einen erwachsenen Mann vielleicht ein wenig banal oder zu technisch klingen - außerdem, und das kennen Sie ja sicher aus Ihrer Praxis, kommen Fragen manchmal einfach und ungelenk, unsicher, schüchtern daher. Aber so wachsen sie nun mal (immer noch) auf, die "neuen" Männer, und ganz verkehrt ist es ja auch wirklich nicht, sich einmal ganz pragmatisch mit der "Mechanik" in unserem Körper zu beschäftigen. Betrachten wir es also mal unter "rein technischen" Gesichtspunkten, wobei wir natürlich locker spielerisch bleiben:
Ganz von der Hand zu weisen ist die Angst des Spermiums in Woody Allens Film "Was Sie schon immer über Sex wissen wollten, sich aber nie zu fragen trauten" nicht. Eine Samenzelle wird mit rund 17 Stundenkilometern aus dem Penis in die Welt (wie immer diese auch beschaffen sein mag) geschleudert und das ist ja für ein so kleines Teilchen doch schon ganz erheblich. Bei einer Ejakulation gibt´s zwischen 3 und 10 Startchancen (Spritzer) und zwischen den Intervallen liegt eine Zeitspanne von ca. 0,8 Sekunden. Will also, um auf den genannten Film zurückzukommen, unser kleines Spermium nicht in die unsichere Welt außerhalb des Männerkörpers, so stellt der Moment des Samenergusses wahrscheinlich die zehn schrecklichsten Sekunden in seinem Leben dar. Und - wie wir ebenfalls aus dem Film wissen - es kann ja durchaus zur Wiederholung kommen!
Noch etwas Wesentliches für junge und alte Statistiker: Die weiteste - medizinisch registrierte - Ejakulation liegt bei 29,7 Zentimetern. Wer also ins Guiness-Buch der Rekorde will, hat hiermit schon mal einen Anhaltspunkt, und das es auch durchaus weiter sein kann, gerade wenn Männer sich hier zum Wettbewerb aufgerufen fühlen, daran hege ich keinen Zweifel.

Anmerkung des virtuellen Sprechstundenhelfers: Unser liebenswerter Doc K hat zum Thema übrigens auch schon Wissenswertes veröffentlicht: Ein Artikel informiert über Spermien, ihr Dasein und alles, was damit zusammenhängt; ein weiterer Bericht würdigt Beschaffenheit und Funktion des Penis - auch er ist durchaus lesenswert und wir beschäftigen uns damit, die beiden Texte für´s "Switchboard" aufzubereiten.