Doc K!

[Thema: Penisschmerzen / Switchboard 161, Dezember 2003]

Hallo Doc K!,
ich habe ein ernstes Problem, aber nirgends Informationen dazu gefunden: Ich genieße den Sex mit meiner Freundin, habe aber manchmal Schmerzen im Penis nach dem Orgasmus. Der Schmerz lässt sich so beschreiben, als ob die Harnröhre brennen würde, er zieht sich von der Penisspitze bis zum Bauch hoch und läßt erst nach 10 Minuten nach. Ich habe dann auch Harndrang und bei Wasserlassen geht der Schmerz etwas zurück. Ich würde gerne wieder unbeschwert Sex genießen – was könnte die Ursache für die Schmerzen sein? P.S.: Ich habe die Schmerzen nicht immer; am ehesten abends und nach einer "schnellen Nummer".


Aua, diesen unangenehmen Schmerz kann ich mir lebhaft vorstellen. Nun denken vielleicht einige LeserInnen: "Naja, nach einer schnellen und womöglich auch heftigen Lieberei ist das doch kein Wunder – da kassieren eben manchmal die Beteiligten eine schmerzhafte Quittung..." – Ich würde aber hier an etwas anderes denken: Es liegt wohl eine Prostata- bzw. Samenwegsentzündung vor. Bei jeder Ejakulation werden dann nämlich Keime ausgeschwemmt und es kommt zu einer schmerzhaften Reizung der Harnröhre. Nach dem Durchspülen mit Urin (also nach dem nächsten Pinkeln) wird die Erregerzahl, die auf der Schleimhaut der Harnröhre vorhanden war, wieder reduziert. Aus diesem Grund lässt der Schmerz auch meistens bald nach.
Du solltest Dich baldmöglichst Deinem Hausarzt vorstellen. Dort kann durch eine Spermauntersuchung auf Erreger und Keime mit Antibiogramm festgestellt werden, welche Erreger vorliegen und welches Antibiotikum dagegen wirkt. Das geht selbstverständlich nur, indem Dein Ejakulat getestet wird – Du mußt also auf eine etwas andere Art der sexuellen Erregung gefaßt sein, weil Du Dir aus diesem Anlass einen Samenerguss machen mußt.
Als Ergänzung empfehle ich Prostatamassagen, die Du zweimal die Woche durchführen solltest: Setz´ Dich bis zum Nabel in warmes Wasser und massiere den Dammbereich kräftig – das Ganze für 15-20 Minuten. Außerdem solltest Du viel trinken, damit das Ejakulat verflüssigt werden kann und es wäre nicht schlecht, so oft wie möglich zu ejakulieren – dadurch können die Erreger schneller und nachhaltiger ausgespült werden. Geschlechtsverkehr derzeit bitte unbedingt nur mit Kondom, damit es nicht zu Hin- und Herinfektionen zwischen den Partnern kommt. Ein bißchen dauern wird´s schon, aber die Sache ist in den Griff zu kriegen!

Hallo Doc K!,
ich bin fast 50 und habe folgendes Problem: Ich bin seit meinem 18. Lebensjahr beschnitten und habe erst Jahre später mit dem Geschlechtsverkehr begonnen. Von Beginn an habe ich das Problem, dass mich die Reizungen auf der "blanken" Eichel nicht stimulieren, da dies sehr unangenehm ist (brennende Reizung). Somit kann ich beim Verkehr auch keine "Ausdauer" zeigen, da nach wenigen Bewegungen die Reizung so negativ ist, das die Erektion schnell abschwillt. Vor über 20 Jahren habe ich diesbezüglich mehrere Urologen aufgesucht, aber keiner konnte eine Ursache erkennen. Haben Sie eine Vermutung, was die Ursache sein könnte? Aufgrund meines Alters möchte ich nicht von einem Urologen zum anderen laufen und immer wieder mein Leid vortragen, da ich mich fast als "Versager" fühle. Für eine Hilfestellung währe ich sehr dankbar.


Die Reizungen auf der Eichel können nicht von der Beschneidung stammen. Innerhalb weniger Wochen nach der Beschneidung bildet sich nämlich die – vorher unter der Vorhaut gelegene – dünne Haut in eine dickere Variante um. Die Medizin nennt das dann "verhornendes Plattenepithel" – also die Art "Außenhaut", die wir überall am Körper in unterschiedlicher Dicke haben.
Physiologisch stehen sowohl Erektion als auch Samenerguss nur zu einem geringen Teil mit der Berührungsstimulation (taktile Reizung) in direktem Zusammenhang. Die Steuerung von Erektion und Ejakulation wird nämlich, neben den Zentren im Rückenmark, insbesondere vom Gehirn gesteuert. In diese Steuerung fließen viele Parameter ein, die vor allem auf der psychischen Ebene zu suchen sind. Gemeint sind hier etwa die Bedingungen, unter welchen Menschen Sex haben wollen bzw. meinen, ihn haben zu müssen. Die einen wundern sich womöglich, dass es beim berühmten Quicky nicht so schnell geht, wie sie wollen. Andere wundern sich, dass sie bei dem spontanen Bedürfnis nach Selbstbefriedigung ohne Probleme Lust empfinden, im partnerschaftlichen Umgang aber "alles" viel schwieriger ist. Auch unbewußte psychische Ängste, und insbesondere das männliche Selbstwertgefühl, das bekanntermassen viel zur erektilen Standfestigkeit beiträgt, spielen hier ein erheblich größere Rolle als die sogenannten medizinisch-physiologischen Faktoren.
Nichtsdestoweniger sollten zur Sicherheit die organmedizinischen Befunde erhoben werden, also u.a. die Leitungsgeschwindigkeit des Nerves, der die Erektion steuert (Nervus pudendus). Gleichzeitig scheint mir aber eine Vorstellung beim Psychotherapeuten (Sexualtherapeuten) angebracht, um vielleicht doch mal eventuell unbewußten Gründen auf die Spur zu kommen, warum der Sexualverkehr nicht "reizvoll und stimulierend" ist und weshalb die Rigidität (Erektionshärte) des Penis abnimmt. Möglicherweise finden Männer dann auch heraus, warum sie bei unpassender Gelegenheit – bildlich gesprochen – "den Schwanz einziehen".