Doc K!

[Thema: Probleme mit dem Nebenhoden / Switchboard 180, Februar 2007]

Lieber Doc K!,
ich habe seit vielen Jahren Probleme mit dem linken Hoden. Falls ich einige Tage bis eine Woche keinen Orgasmus habe, dann bekomme ich dort Schmerzen, die langsam stärker werden. Ich kann dann kaum noch gehen. Direkt über dem Nebenhoden ist eine Verdickung zu fühlen, wie ein kleiner Knäuel – der Nebenhoden ist auch ein bisschen geschwollen und tut weh. Ich glaube die Temperatur des linken Hodens ist entsprechend erhöht. Beim Stehen nehmen die Schmerzen zu. Beim Liegen nehmen sie ab. Nach einem Orgasmus gehen die Symptome langsam zurück. Das Sperma ist danach dickflüssig und es sind kleine feste Teile dabei, die wie transparentes, getrocknetes Silikon aussehen, aber wie gesagt nur in solchen Fällen. Ansonsten ist das Sperma normal.
Da ich auch sehr schlecht urinieren kann (wegen Prostata oder Blasenhalsproblemen – weiß man nicht so genau), und das auch seit vielen Jahren, vielleicht genau solange wie ich die Hodenbeschwerden habe, musste ich Alpha-Rezeptorenblocker nehmen. Dabei hatte ich eine retrograde Ejakulation und gleichzeitig auch die erwähnten Hodenbeschwerden.
Seit einiger Zeit habe ich einen Leistenbruch auf der linken Seite festgestellt. Und der Urologe meinte, dass die Hodenprobleme mit dem Leistenbruch zu tun haben. Irgendwie überzeugt mich das nicht. – Was meinen Sie?

Na, da kommt ja einiges zusammen. Klar, dass einen so etwas über die Jahre sehr nervt und sicher beobachtest Du inzwischen jedes Phänomen mit großem Misstrauen. Möglicherweise vermengt sich auch die eine mit der anderen Problematik und ich denke, wir können Dir zumindest beim Sortieren der Schwierigkeiten und Beschwerden ein bißchen Klarheit verschaffen – also:
Es kann tatsächlich zu einem Stau von Sperma im sogenannten Zwischenlager, dem Nebenhoden, kommen und auf die Weise baut sich ein gewisser, vielleicht gar schmerzhafter Druck auf. Das, was sich wie ein kleine Verdickung am Nebenhoden anfühlt, ist eine Spermatozele. So nennen wir die Ausstülpungen des Nebenhodens, die sich gar nicht so selten bilden. Spermatozelen sind mit Samenzellen gefüllt und es ist eigentlich nicht krankhaft, wenn sie entsteht. Klar, es fühlt sich beunruhigend an, aber so lange sie nicht wächst, musst Du Dir eigentlich keine größeren Sorgen machen.
Es könnte sich jedoch auch um eine Varikozele handeln. Hierbei sind die Venen des Hodens erweitert und es staut sich Blut zurück, weil die Venenklappen nicht richtig schließen. Die Tatsache, dass die Beschwerden im Stehen mehr werden und dass es sich dort auch erwärmt, spricht eher für diese Vermutung. Die Viskosität des Spermas kann je nach Flüssigkeitszufuhr variieren. Zähflüssigkeit und ähnliche Veränderungen können jedoch ebenso auf eine Prostataentzündung hindeuten.
Dass Du beim Urinieren Schmerzen hast, lässt mich eher an eine Blasen- oder Harnröhrenentzündung denken. Hast du eine Vergrößerung der Prostata? Bist du womöglich an der Prostata operiert worden? Wenn ja, dann lässt sich die retrograde Ejakulation erklären, weil das bedauerlicherweise eine ungewollte Folge einer solchen Operation sein kann (als retrograde Ejakulation wird eine Ejakulationsstörung bezeichnet, bei der die Samenflüssigkeit rückwärts in die Harnblase ausgestoßen wird; mehr dazu z.B. unter www.wikipedia.org).
Was den Leistenbruch betrifft, so teile ich die Einschätzung des Kollegen. Auch ein solcher kann die Beschwerden verursachen. Allerdings bedingen sich Deine Schmerzen vielleicht auch gegenseitig sehr stark.
Vieles in Deiner Frage kann ich nur ansatzweise interpretieren, vor allem weist Du ja auf Medikamenteneinnahme, Blasen- und Prostataprobleme hin. Hier müsste ich schon genauer wissen, was alles vorgefallen und wie die Medikamentierung verlaufen ist. – Und damit kommen wir zu dem, was Du tun solltest:
Du hast über die Jahre eine hohe Sensibilität bezüglich Deiner Beschwerden entwickelt. Das ist gut, vor allem weil du dadurch einem Arzt die Diagnose erleichterst. Wenn Du hierüber redest, gehört dazu jedoch auch die genaue Beschreibung dessen, was im Lauf der Zeit alles vorgefallen und behandelt worden ist. Schon allein wegen der Blasenhals- und Prostataprobleme solltest Du wohl doch nochmals ein ausführliches Gespräch mit dem Arzt Deines Vertrauens suchen. Es kann nämlich gut sein, dass Deine Probleme hiermit zusammenhängen – da liegst Du mit Deiner Vermutung wahrscheinlich richtig.
Wegen der Spermatozele oder auch der Varikozele kannst Du ruhig mal eine Untersuchung per Ultraschall und Doppler durchführen lassen, damit Klarheit über Ausmaß und Umfang besteht.
Wenn es sich bei Deinen Symptomen tatsächlich um einfachere Erscheinungen drehen sollte, dann kann eine Ursache für das dickflüssige Ejakulat auch in so banalen Dingen wie Flüssigkeitsmangel liegen – trinkst Du im Lauf eines Tages genug?

Ich wünsche Dir jedenfalls, dass Du endlich Erleichterung findest...